Jonker Street, 1000 x spaziert…

…. 1000 x fotografiert, aber heute war es besonders schön: bedeckter Himmel und „angenehme“ 28 Grad, vor allem, um 10 Uhr morgens (das Handy zeigt deutsche Zeit an) sind die Straßen im alten Händlerviertel noch leer.

Im „Supermarkt für die Toten“ habe ich einige Papierprodukte gekauft, daheim sind sie bestimmt eine kleine ‚Sensation‘.

Ich nehme morgen Abschied von Melaka und Malaysia, ungern. Aber wenn sich unsere Pläne für die nächsten Monate umsetzen lassen (und das ist ein starkes „wenn“), dann bin ich bald wieder hier.

Nach Muar, eine Dschungelerfahrung und ein Starkregen

Am Flughafen in KL waren keine Mietwagen zu bekommen, aber ein bißchen googeln und ich fand einen malaysischen Anbieter, der mir für drei Tage ein Auto überlassen konnte. Es wurde mir zum Busbahnhof Melaka Sentral gebracht.

Und so konnte ich heute einen Ausflug Richtung Süden machen, Ziel Muar. Das Städtchen liegt an einer Flussmündung jenseits der Landesgrenze von Melaka im Bundesstaat Johore. Die Straße dorthin vierspurig, bestens in Schuss und durch Ölplantagen führend. Alles wirkte wie Florida.

Punkt zehn Uhr parkte ich das Auto in der Innenstadt vor einem chinesischen Cafe. Jedenfalls versprachen mir die drei Chinesen, die mit einer Tasse Kaffee am Tisch saßen und einen Blick auf mein Auto hatten, dies im Auge zu behalten.

Mein Ziel war der Muar Culture Walk. In einer kleinen Seitenstraße haben Künstler die Hauswände mit Wandbildern und Installationen geschmückt.

Nach dem Rundgang konnte ich nicht umhin, mich in dieses Straßencafe zu setzen und einen dickflüssigen mit süßer Kondensmilch angereicherten Kaffee zu trinken.

Alles wieder wie vor über 40 Jahren. Plötzlich sprangen die drei Chinesen (ohne Kontrabass) auf „Achtung, eine Politesse kommt“ (ich hatte nirgendwo gesehen, dass man eine Parkgebühr entrichten musste). Aber die drei gaben auch gleich wieder Entwarnung, die Gefahr war buchstäblich vorbei gegangen.

Ich zahlte den Kaffee (1,60 Ringgit = 25 Euro cent) und machte mich angesichts eines immer schwärzer werdenden Himmels zurück nach Melaka auf. Aber nach halber Strecke öffneten sich die Schleusen und setzten die Straßen unter Wasser. Für malaysische Fahrer fängt dann der Spaß erst an, ich war froh heil wieder in der Hochgarage in meinem Wohnblock angekommen zu sein.

Aber der Tag war noch lang und der Mietwagen nun mal da. Also machte ich mich nachmittags in die Gegenrichtung auf. Der Bundesstaat Melaka hat nämlich eine territoriale Besonderheit, ein Exklave jenseits der nördlichen Landesgrenze, die man am Kuala Linggi übertritt: die Felsenhalbinsel Cabo Rachado (genau: ein portugiesischer Name) im Nachbarstaat Negeri Sembilan. Es ist die engste Stelle an der Straße von Malacca, das Leuchtfeuer dient den Schiffen als Orientierung und mit einer Hitech-Radaranlage überwacht Malaysia die Sicherheit der Meeresstraße, die bis vor Kurzem noch Piraterie kannte.

Es waren anderthalb Stunden Fahrt durch eine zersiedelt, dörfliche Landschaft. Was ich nicht wusste: der Leuchtturm liegt inmitten eines tropischen Dschungels auf einem extrem steilen Hügel. Die Geräuschkulisse des Regenwaldes, atemberaubend. Die Wanderung: scheißtreibend (ich war nass wie nach einer Dusche). Die Aussicht: durch Bäume verdeckt.

Trotzdem war es ein Abenteuer, denn an einem Papierkorb überraschte ich eine Gruppe Makaken. Auf dem Rückweg sah ich sie wieder auf den Kabelmasten oberhalb des Weges. Ein junger Ausländer in Expeditions-Outfit und Top-Kamera-Ausrüstung kam mir entgegen. Ob ich Tiere gesehen habe (außer den Makaken), ich verneinte. Nun, er war auf der Suche nach Schlagen, die auf diesem Hügel wohl einen besonderen Lebensraum hätten.

Nach Schlangen hatte ich gerade keine Lust und war froh, nass aber zufrieden wieder am Auto zu sein. Kurz vor Sonnenuntergag kam ich wieder in Melaka an.

Aber Cabo Rachado ist ein Beleg, wie stark die historische Funktion Malaccas bis in die heutige Zeit reicht.

Malacca: Wandel und Erinnerung

Geographen beschäftigen sich mit räumlichen Kontrasten (vornehm formuliert, mit Disparitäten) und mit Wandel (also wie geworden ist, was ist). Dahinter stecken oft physische oder naturräumliche, vor allem aber gesellschaftliche Phänomene. Unsereins hastet also nicht von einem Insta-Flashpoint zum nächsten, sondern wir schauen hinter die Kulissen so gut das geht. Langweilige Orte gibt es gar nicht, und Orte, die „keiner“ kennt, sind sogar die interessantesten.

Über Malacca (ich nutze hier aus Nostalgiegründen noch einmal die alte englische Schreibweise) habe ich meine Staatsexamensarbeit geschrieben, auf den Tag vor 43 Jahren war ich zuerst hier. Dann ab 2005 noch einmal sieben Mal. Den jüngeren Wandel dieser Stadt habe ich als ganz gut verfolgt.

Ich bin gestern am frühen Abend, als die Luft ein wenig von der drückenden Hitze verloren hat, von meinem gemieteten Domizil in dem Tower (oben links) bis auf den St. Paul’s Hill mit den Ruinen der Kirche gewandert (oben rechts). Der Hügel war einst Kern des Malacca Sultanats, welches 1511 von den Portugiesen und später von Holländern und Briten erobert wurde.

Allein daran, dass dieser Punkt auf dem Erdball für europäische Mächte über 500 Jahre so interessant war, dass sie in „besitzen“ mussten, zeigt die Besonderheit Malaccas. Und das einer der wichtigsten Seewege auf dem Globus nach dieser Stadt benannt ist, mag als Indiz einer „Wertschätzung“ gelten, die bis heute andauert.

Gelder aus Singapur und China fließen unentwegt in Großprojekte. Landgewinnung vor der Küste und riesige Gebäudekomplexe, alles ist von ausländischen Investoren. Aus der kleinen, verschlafenen Stadt von 1979, als Kähne in der Flussmündung noch von Hand abgeladen wurden, ist eine Metropole mit Skyline geworden, die sich bei jedem Besuch verändert hat.

Ich bleibe noch bis Donnerstag (21.7.) in Melaka, wie es heute heißt, und werde versuchen Altes wieder zu finden und Neues zu entdecken.

Sabah – eine kleine Bilanz

Physische Karte von Sabah

Meine acht Tage in Nordborneo gehen zu Ende, morgen Vormittag fliege ich zurück nach Kuala Lumpur. Von Labuan im Südwesten bis zum Nordspitze Borneos habe ich den malaysischen Bundesstaat durchfahren.

Dabei fallen mir neben den schönen Dingen auch kuriose ein: Alle gefühlte 50 Meter steht am Straßenrand ein Schild (oft Hand geschrieben) Car Wash. Es muss also ein Business sein, wenn die Sabahner (ich weiß nicht, ob man das so sagt) ihre riesigen Autos auch noch sauber haben wollen.

Ebenfalls gefühlt alle 50 Meter stehen Schilder Gereja Katolik (und in zwei weiteren Sprachen: Chinesisch und Englisch). Und auf baugleichen Masten hängt das Kreuz über Straßen und Dschungel, quasi als Logo der Organisation. Tatsächlich sind ein Viertel der 3,5 Millionen Einwohner Sabahs katholisch – zwei Drittel islamisch. Prozentual ist Sabah weitaus katholischer als Sachsen-Anhalt. Ein Papstbesuch ist also überfällig

Aus Indien bin ich eine Menge streunender Hunde gewohnt, aber in Sabah laufen sie in ganzen Herden am Straßenrand herum. Ich fragte den Mann, der mich durch das Longhouse führte, nach dem Grund und er meinte, man liebe Hunde in Sabah, aber lasse sie frei herum laufen. Das hat Konsequenzen.

Wie überall in Malaysia sind die Leute freundlich und haben ein überaus positives Bild von Deutschland. Zwar fahren hier keine deutschen Autos, aber Marken wie Allianz, Kärcher oder Stihl sind gut bekannt. Auch Puma und Adidas, denn der größte Sympathieträger scheint Fußball zu sein. Darauf wurde ich immer zuerst angesprochen. Und dann natürlich der direkte Bezug zu meiner Heimat: Jägermeister.

Mein abendliches Bier beginnt immer damit zu erklären, woher Name und Ort kommt (mit Deutschland hatte das keiner verbunden). Das öffnet dann den Gesprächsfaden.

In der Hotelbar in Kota Kinabalu

Neben dem Crocker-Gebirge und dem Kinabalu-Massiv ist der meiste Regenwald im Südosten erhalten. Dorthin bin ich noch nicht vorgedrungen. Mein Ziel auf dieser Reise war es, Erinnerungsorte zu finden. Denn der Zweite Weltkrieg hat hier stärker gewütet, als es den Anschein hat. Vor allem in Australien steht Nordborneo für Opfer und Verbrechen der Besatzungsmacht Japan. Ich werde dazu auf „Reiners Blog“ bei Gelegenheit einige Gedanken schreiben.

Sabah ist mit einer zwiespältigen Entwicklung konfrontiert: chinesische Wirtschaftsdynamik ist allenthalben sichtbar, und zunehmend auch Investitionen aus der Volksrepublik. Hier im Hotel sitzen frühmorgens junge malaysische Chinesen schon mit Laptop und Unterlagen-Mappe am Frühstückstisch. Die Dynamik konzentriert sich logischer Weise an der Küste des Südchinesischen Meeres (ich weiß nicht, ob Sabah in das chinesische Belt & Road Konzept eingebunden ist). Zurück geblieben ist – wie überall – das flache Land. Hier allerdings bieten die Palmölplantagen Arbeit und einen bescheidenen Wohlstand. Die Plantagenbesitzer bauen Siedlungen für ihre Beschäftigten, die sich im Norden Sabahs weitgehend aus der Stammesbevölkerung rekrutieren. Der Traditionen werden in „cultural houses“ wach gehalten, kleinen Kulturzentren, in denen z.B. Tänze aufgeführt werden.

Dieser Gegensatz von Tradition und Moderne ist überall zu sehen, nicht zuletzt in meinem Hotel, dessen postmoderner „under construction“-Style auch in Berlin oder Amsterdam sein könnte.

Als ich heute am Bahnhof Tanjung Aru war, fand ich eine sehr typische chinesische Garküche gegenüber. Alles war wie bei meinem ersten Aufenthalt in Malaysia vor 43 Jahren: der zur Straße offene Zugang, die Rundtische aus schwerem Holz mit Marmorblatten und die Auswahl von Nudelsuppen auf der Speisekarte.

Mein letzter voller Tag in Sabah endet so, wie die ersten Tage in Melaka im Sommer 1979 begonnen hatten. Mit einer Nudelsuppe.

Der Hauptbahnhof von Kota Kinabalu

Es gibt ihn wirklich. Für Eisenbahn-Freaks ist Nordborneo die letzte frontier. Sabah State Railway operiert 134 km Strecke auf einer schmalen Spur zwischen Tanjung Aru (so heißt der Bahnhof von Kota Kinabalu) und Beaufort. Zwei- dreimal pro Tag nur verkehren Züge auf der Strecke. Um 13.10 Uhr soll der Zug aus Beaufort ankommen, ich fahre dann hin.

Ich war nach einer Fahrt quer durch die Stadt um 13 Uhr am Bahnhof, ein freundlicher Beamter ließ mich auf den makellos sauberen Bahnsteig. Ob der Zug „in time“ sei fragte ich eine andere Beamtin. „Yes, of course“ meinte sie. Tatsächlich um 13.13 Uhr rollte der Zug aus Beaufort ein, nur drei Minuten nach dem Fahrplan (German Railways, listen!).

Eine noch abenteuerlichere Strecke ist die eines winzigen Bähnchens von Beaufort nach Tenom. Sie quert die Crocker Range in einem enge Flusstal. In der SWR Mediathek gibt es dazu eine wunderbare Dokumentation.

Zu gern wäre ich diese beiden Strecken gefahren, aber hin und zurück hätten zwei Tage gebraucht. Die Zeit hatte ich nicht. Immerhin konnte ich im Bahnhof von Beaufort Fahrgäste treffen, die auf den planmäßigen Zug nach Tenom warteten.

Also, Eisenbahnfreunde und Bahngeschädigte: Plant in Nordborneo eine Eisenbahnfahrt ein und verschont den Kinabalu mit der Klettertour zum Sonnenaufgang!

Weitere Informationen:

Sabah State Railway bei Wikipedia (Deutsch), eine sehr lesenswerte Seite

Webseite der Sabah State Railway (in Malayisch, mit Fahrplan und Ticketpreisen)

Paradies im Verfall

Es gibt nichts, was stärker deprimiert, als wenn man zurück in ein Paradies will (so wie ich es hier im Oktober 2019 vorfand) und dann eine Wand von Müll, vor allem Plastikflaschen, unter den Palmen am Strand vorfindet. Schlimmer noch: die Nordspitze Borneos (Tip of Borneo, in Malayisch Tanjung Simpan Mengayu) mit Chalets und Picknickplätzen auf einem Felsvorsprung des Kaps lag in Trümmern.

Ich habe das alles nicht fotografiert, weil mir Regression und Verfall nicht liegt. Zudem bin nicht als investigativer Journalist unterwegs. Aber es war offensichtlich (und nicht nur hier), dass fast drei Jahre Pandemie und die ungezähmte Natur in der Monsunzeit für den Verfall verantwortlich waren.

Vier Stunden war ich von Kota Kinabalu aus nach Norden unterwegs gewesen, ab Kota Madu beherrschten Palmöl-Plantagen das Bild. Ich hatte sogar ein Zimmer in Tommy‘s Place gebucht, am Strand unterhalb des Kaps, und mir für die Nacht Sachen aus dem Hotel in Kota Kinabalu mitgenommen (der Koffer blieb dort). Als ich ankam, Trostlosigkeit allenthalben. Der Monsun blies unbändig, das tropische Meer war aufgewühlt – wenngleich das Wasser glasklar und türkis schien.

Ich ging oben am Kap ein wenig zwischen den verfallenen Gebäuden spazieren. Mir ging es wie einem Dutzend malaysischer Touristen, die ebenfalls ernüchtert waren.

In Tommy‘s Place fand ich zwei junge Frauen am Tresen eines Openair-Restaurants auf Stelzen, der wohl die Rezeption war. Auf der Gästeliste stand noch ein Walter aus Belgien, aber von Gästen keine Spur. Auf der Veranda vor einem der Zimmer waren Taucheranzüge zum Trocknen aus gelegt. Ich hatte bei dem Sturm Angst um mein Auto, das nur wenige Meter von einer Kokospalme parkte, an der sozusagen drohend einige Früchte hingen.

Am Horizont tauchten dunkle Regenwolken auf. Ich sagte den beiden Mädchen, ich werde das Zimmer nur auf Zeit nutzen (Badesachen wechseln und ausruhen) und wohl nach Kota Kinabalu zurück fahren. WLAN gab es nicht und der Strom fiel zwischendurch aus, immerhin war das Zimmerchen ganz hübsch, hatte sogar eine Klimaanlage.

Ich hatte mir vorgenommen, wenigsten einmal das tropische Meer zu fühlen (hier der Südrand des Südchinesischen Meeres). Mit Badelatschen und Badehose machte ich mich auf zum Strand, fand eine Lücke im Müll und konnte ein wenig ins Wasser gehen. Wind und Wellen machten Schwimmen oder auch nur einen Strandspaziergang unmöglich, aber einen Fuß in das herrlich warme Wasser zu strecken, war schon ein Erlebnis. Vor vier Jahrzehnten wäre das hier ein tolles Abenteuer gewesen, auch ein Sprung in die Wellen an dem ansonsten flachen, weißen Sandstrand, aber dem Alter bin ich entwachsen.

Ich ruhte mich auf dem Zimmer aus und machte mich gegen 15.30 auf den Weg zurück nach Süden. Das Navi gab gut drei Stunden Fahrtzeit an und da ich mittlerweile ein geübter Fahrer im Sabah-Verkehr bin, konnte ich das einhalten. Kurz hinter Kota Belud (eine Stunde vor Kota Kinabalu) brach dann der Regen vollends los. Ich hatte also Riesenglück gehabt.

Zum Fahren in Sabah: Die Straßen scheinen in gutem Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man muss jede Minute mit Schlaglöchern im Teer und Bodensenkungen rechnen. Die Locals fahren einigermaßen regelkonform. Aber es gibt eine Ausnahme zu uns: der Überholende hat immer Recht. So muss man höllisch die Rückspiegel im Blick haben, da aus dem Nichts plötzlich ein Pick-up SUV – und das ist hier der Standard – an einem vorbeirauscht. Und zwar genau dann, wenn Du wegen Deines Vordermanns abbremsen musst. Das nutzen zwei, drei Fahrzeuge hinter Dir, um zum Überholen anzusetzen. Wehe du scherst aus.

Da es abseits der Hauptstraße nur Feldwege gibt, kommt es zu einem merkwürdigen Phänomen: Alle fahren zügig in Kolonnen, plötzlich wird dein Vordermann immer langsamer, scheinbar ohne Grund. Dann kommt er fast zum Stehen und blinkt und fährt in einen Feldweg ab, im Nirgendwo. Wehe du scherst aus, um zu überholen und hast nicht in den Rückspiegel geschaut (siehe oben).

Aber ein zweites Highlight hatte der Ausflug an den Tip of Borneo denn doch. Ich habe das letzte originale Langhaus in Nordborneo besichtigen können. Kurz vor Kudat verwies ein Schild auf das Bavanggozza Longhouse des Rungus-Stammes. Und oh Wunder eine wunderbar geteerte Straße führte zwei, drei Kilometer in die Palmenhaine und den tropischen Wald. Dort lag es versteckt unter Bäumen. Ein Guide bewacht die Bambuskonstruktion, in der zehn Familien wohnten, und führte mich freundlich und kompetent durch die Anlage.

Der Name des Stammes, der diese Halbinsel im Norden Borneos beherrschte, war mir schon am Kap aufgefallen. Mitten in den Trümmern stand ein Stein mit einer Plakette zum Andenken an einen Rungus-Führer, der sich mit der North Borneo Company verbündet und die Piraten hier vor der Küste bekämpft hatte.

Langhäuser waren vor Jahrzehnten die einzige Wohnweise der Stämme auf Borneo. Ich habe den Besuch auf meiner Blogseite „Weltsichten“ beschrieben und nutze daher hier nur eine Verlinkung.

Ich kam kurz vor der Dunkelheit wieder am Hotel an, der Regen hatte inzwischen aufgehört. Der Tag ging zu Ende mit einem Tiger Beer in der Bar und einem leckeren lokalen Rindfleisch-Reisgericht. Der Gegensatz zwischen dem Designer-Hotel einerseits und dem Langhaus sowie dem verlorenen Paradies an Borneos Nordspitze hätte nicht größer sein können.

Mein Hotel hat versucht, in der Lobby Stammeskultur in gewagtem Geschmack zu etablieren.

Kinabalu wolkenlos

In der Monsunzeit ist es schon ein Glücksfall, diesen über 4000 m hohen Gebirgsriesen wolkenlos zu sehen. Am besten morgens. Von meinem Resort aus konnte ich bei Sonnenaufgang schon erkennen, dass es ein tolles Schauspiel würde.

Die Luft war ein Träumchen, windig bei rund 25 Grad. Ich packte den Koffer und machte mich auf in das „Zentrum“ von Kundasang, dem kleinen Ort am Fuß des Mount Kinabalu.

Ab 9.30 ist das Kundasang War Memorial geöffnet. Auf einem kleinen Hügel liegt die Gedenkstätte der in Ranau und Sandakan umgekommen australischen und britischen Soldaten. Als Kriegsgefangene der Japaner im Zweiten Weltkrieg wurden sie so gequält, dass kaum jemand überlebt hat. Die ganz Anlage von Gärtchen und Brunnen wird vom großen Berg bewacht, als wolle der Kinabalu sagen: Unter meinem Schatten kommen solche Gräuel nicht mehr vor.

Bevor ich nach Kota Kinabalu zurück fuhr, nahm ich mir die Zeit eine Teeplantage zu besuchen. Die lag eine Stunde Fahr östlich an der Straße nach Sandakan. Ein kleines Paradies, wo ich sogar lecker frühstücken konnte.

Fast drei Stunden war ich aus dem Gebirge runter in die Küstenebene und das Verkehrs- und Baustellengwühl von Kota Kinabalu unterwegs.

Mein Hotel liegt am Nordrand der Großstadt. Von hier kann ich gut die Küste Richtung Norden erreichen.

Im Zen Garden angekommen

So heißt das Resort in Kusadang am Mount Kinabalu tatsächlich, welches ich hier gerade bezogen habe. Urig, in der Natur, weitab vom Verkehrslärm liegt es in einem Seitental in 1230 Meter Höhe, umgeben von Bambushainen und Regenwald. Die Ruhe war allerdings weg, als eine Busgruppe junger Leute in die Apartments zog.

Sieben Stunden war ich mit kleinen Stopps von Labuan unterwegs, sozusagen quer durch Sabah. Der Tag hatte perfekt begonnen, mit einem wunderschönen Sonnenaufgang (vom Zimmer fotografiert) und dem interessanten Frühstück: Teriyaki Chicken, Garlic Sticky Rice, aber auch das andere Übliche. Um 7 Uhr habe ich ausgecheckt, zur Fähranlegestelle waren es per Auto zehn Minuten. Ich kam genau richtig und konnte nach der Ticketkontrolle gleich aufs Schiff.

Knapp zwei Stunden dauerte die Überfahrt wieder. Ein wunderbar mildes Lüftchen begleitete uns. Man mag sich nicht vorstellen, auf einer solchen Fähre beim nachmittäglichen Monsunsturm zu sein. Einige Passagiere aßen ihre Instant-Nudelsuppen in der Morgensonne.

Von Menumbok ging es an Beaufort vorbei zunächst Richtung Norden. Dann bog meine Route schurstracks in die Crocker Range ab, das schroffe, bewaldete Gebirge, das Sabah durchzieht und am Mount Kinabalu mit über 4000 Metern die höchste Erhebung Südostasiens erreicht. Die Stationen von Labuan bis Ranau sind in der Karte markiert.

Wer schon einmal Achterbahn gefahren ist, der kann sich vorstellen, mit welchen Steigungen und Abwärtsstrecke zu rechnen war. Statt Serpentinen hat man die Straße einfach steil den Berg hoch und wieder runter gebaut (ich denke manchmal waren es gut 20 %): ein Traum für Motorradfahrer. Unsereins quälte sich im dritten Gang mit 4000 Umdrehungen diese steilen Abschnitte hoch. Leider gab es nirgends eine Haltemöglichkeit, um diese urtümliche Bergwelt zu genießen. Der Wagen musste rollen.

Auf der anderen Seite ging es in der Ebene schnurstracks nach Norden (von Kenningau) bis nach Tambuan. Fast hätte ich das Hinweisschild an der Straße übersehen. Mitten zwischen Reisfeldern und einem Dorf liegt das Denkmal für Mat Salleh. Er war ein Widerstandskämpfer gegen die Briten von 1898 bis 1900, als sie ihn hier in seiner kleinen Festung stellten und erschossen. Heute ist er (wieder) Volksheld in Sabah.

Ich musste dann noch zwei Stunden weiter fahren, wieder durch Wald und Feld und über Stock und Stein, bis nach Ranau. Zur Bedeutung dieser Stadt mehr in den nächsten Tagen. Aber hier dominiert der heilige Berg Sabahs, der Mount Kinabalu. Ich hoffe ihn morgen früh einmal ohne Wolken zu sehen.

Da ich weder etwas gegessen hatte noch zu Toilette war, ließ ich mich vom Navi zum KFC in Kusadang leiten. Das war genau richtig: Es gab ein WC und ich hatte ein Happy Chicken Burger Meal. Mein Navi konnte ich dann auf das Zen Garden Resort einstellen, was ich sonst nie gefunden hätte (und über eine „Straße“, die bei uns gerade einmal Kühe genutzt hätten).

Hier herrschen andere Temperaturen, kühl für Malaysia, gerade recht für uns.

Monsun in action

Man kann ihn nicht fotografieren (immerhin gut filmen), aber man kann ihn hören: Kurz nach dem Hitzescheitel mittags bewegt sich eine schwarze Wand von See her über Labuan Richtung Borneo. Das war gestern so, und auch heute wieder. Begleitet wird die von orkanartigem Wind, der ums Hotel heult. Bäume und Sträucher biegen sich, wie bei Hurricanes in den USA.

Das Schauspiel wiederholt sich täglich am mittleren bis späten Nachmittag. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei und der Himmel lädt den Regen in Bändern über Land und Meer ab.

Heute (10.7.) zeigte mein Thermo-, Hygro- und Höhenmeter gegen 14.21 Uhr (er ist noch auf deutsche Sommerzeit eingestellt) knapp 35 Grad im Schatten an, bei 50 % Luftfeuchtigkeit (die fühlt sich nach mehr an). Aber das eingebaute Barometer zeigte oben schon Wolken an, obwohl die Sonne noch schien und die Badegäste den Pool genossen.

Hinter dem Hotel liegt ein Bambushain. Der Sturm bog die Büsche und Bäume fast bis zum Boden, sie tanzten geradezu mit dem Wind im Kreis. Jedes Getreidefeld bei uns läge für immer flach, aber hier zeigt sich die enorme Biegfähigkeit von Bambus. Kein Wunder, dass er als Gerüstmaterial in Asien so beliebt ist.

Insel- oder Steuerparadies?

Wenn Du morgens auf den Balkon tritts und die Fotolinsen beschlagen, dann bist Du in einem Tropenparadies angekommen. Die Sonne ging drüben am Festland hinter den Bergen Borneos auf, aber die Stimmung fotografisch einzufangen, war unmöglich (vielleicht sollte man „Stimmungen“ auch gar nicht fotografieren).

Mein Hotel hier auf Labuan ist ein Paradies, ein tropisches mit Palmen und blühenden Büschen auf den Balkonen. Warum es Tiara heißt, weiß ich nicht, aber es hat drei tolle Restaurants und drei tolle Bars. Die Hot&Sour Soup, die ich gestern Abend aß, und der Beef Burger waren erste Klasse (ich weiß, die Kombination passt nicht; aber im multikulturellen Malaysia geht alles). Noch toller war die Rechnung später in einer Bar mit Life-Musik: Der Jack Daniels on the rocks war billiger als in Deutschland.

Labuan ist nicht nur ein malaysisches Bundesterritorium (den Status hat nur noch Kuala Lumpur selbst), es ist auch ein Steuerparadies – für Unternehmer und für – ich sag’s mal so – Alkoholliebhaber. Durchaus ungewöhnlich im muslimischen Malaysia. Aber das Hotel war voller Chinesen. Als ich der Barkeeperin eine kleine Flasche Jaegermeister aus der Heimat überreichte, war sie aus dem Häuschen (sie machte dann eine Foto von dem Mitbringsel neben der großen Flasche des Wolfenbütteler Getränks aus dem Barsortiment). Jaegbomb (mit Red Bull) kannten alle. Heute Abend schenke ich dem Sänger in der Bar das zweite Fläschchen, er legte tapfer für den einzigen Gast (ich!) sein Repertoire auf: u.a. Sacrifice von Elton John und Imagine von John Lenon (wäre ich von der langen Fahrt nicht so erschöpft gewesen, ich wäre gern länger geblieben).

Der weitere Vormittag begann mit einem kleinen Schock: online waren keine Fährtickets zum Festland mehr zu bekommen. Ich sah mich schon als Luxus-Robinson für den Rest der Reise auf einer Tropeninsel hängen. Aber die Fahrt in die Stadt und ein hin und her geschickt werden, bis ich versteckt hinter Betonwänden den Ticketschalter fand, klärte auf: Ich habe einen Platz – natürlich auch mein Auto – auf der 7.30 Uhr-Fähre morgen.

Ich habe dann eine Rundfahrt um die Insel gemacht. Zunächst zum Kriegsgräberfriedhof, der an der Ostküste dicht beim Hotel ist. Eine eindrucksvolle Anlage in tropischem Grün (ich werde dazu auf „Weltsichten“ einen Beitrag schreiben und hier verlinken).

Dann ging es quer an die andere Küste, zum sogenannten Surrender Point. Dort am Strand haben sich die Japaner Ende August 1945 den Alliierten ergeben, die Kapitulationsurkunde wurde aber in Beaufort auf dem Festland unterzeichnet.

Labuan und der Süden Sabahs waren Brennpunkt der Kämpfe zu Ende des Krieges, mehr als 3000 Männer der Commonwealth Armeen zahlten dafür mit ihrem Leben und fanden ein Grab weit weg von der Heimat, wenngleich in einem Tropenparadies.

Hier auf Labuan war für Japan der Krieg zu Ende: Surrender Point am Strand

Gegenüber liegt der Peace Park, den Japan 1982 gesponsert hat. Er wird wohl nicht so gut gepflegt, dafür ist ein Picknick am Strand für die Malaien umso schöner. Auch ein Peace Park in bestem Sinne.

An der Nordspitze der Insel steht ein ominöser Schornstein. „The Chimney“ hat ein eigenes Museum, das aber heute (Sonntag!) geschlossen war. Labuan wurde Mitte der 19. Jahrhunderts wichtig, weil es Kohlevorkommen hatte, welche die britischen Dampfer auf dem Weg nach Hongkong buchstäblich befeuern sollte. Aber dann lief Singapur als Handelsstützpunkt Labuan den Rang ab.

Bei der Fahrt durch und um die Insel wird aber deutlich, dass es sich um ein wohlhabendes Stück Malaysia bzw. Borneo handelt. Es wirkt wie Palm Beach in Florida, offensichtlich ziehen die Steuervorteile (und die strategische Lage vor Brunei) doch Wohlstand an. Die Insel hat einen Flughafen, von wo einmal am Tag eine Maschine nach Kuala Lumpur fliegt, mit Schnellfähren kann man nach Brunei übersetzen (das zwar reich, aber noch strenger muslimisch ist).

So liegen Tod und Leben, Krieg und blühende Wirtschaft hier eng beieinander, auf einer Insel am Rand der Welt.

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